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Text: Lýdie Tallová

KARLSBADER THEATER
ARCHITEKTONISCHES UND KÜNSTLERISCHES JUWEL DER STADT

Karlsbad verfügt über eines der schönsten Theater Europas. Der zwischen 1884 – 1886 nach einem Entwurf des Wiener Ateliers der berühmten Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer erbaute Prachtbau ist im Stil des Pseudo-Rokoko gestaltet. Es ist einer der erfolgreichsten Theaterbauten dieser berühmten Architekten, die während ihrer gemeinsamen Wirkung insgesamt 48 Theaterbauten in ganz Europa entworfen haben. Das beeindruckende architektonische Werk ist nicht das erste Theatergebäude des berühmtesten tschechischen Kurortes. Andererseits ist es ein nobler Theatertempel, der die Kuratmosphäre perfekt widerspiegelt, in deren Innenräumen sich ein seltener kultureller Reichtum verbirgt. Interessant ist auch die Tatsache, dass das Karlsbader Theater eines der ältesten neobarocken Gebäude in den böhmischen Ländern ist.

STRASSENWANDERTHEATER

Die Geschichte der Karlsbader Theater ist aus einem bemerkenswerten Faden gewoben. Das Theaterleben in Karlsbad begann sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu entwickeln. Die ersten Erwähnungen saisonaler Aufführungen in der Kurstadt stammen aus dem Jahr 1602. Damals belebten verschiedene Wanderensembles mit ihren Inszenierungen verschiedene städtische Räume. Bis zur Steinszene führte jedoch noch ein weiter Weg.

DER TEMPEL DER MUSEN ODER KOMÖDIENHAUS

Das erste Theatergebäude in Karlsbad wurde 1717 vom Kurfürsten von Sachsen August der Starke erbaut. Er pflegte im Kurort nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele. Deshalb wurde er von der Französischen Oper begleitet, die im Sächsischen Saal täglich Ballett und Konzerte aufführte. Für sie ließ der Kurfürst neben der Allee des Kurparks, an der Stelle der Promenaden der erhabenen Kurgäste ein Theatergebäude erbauen. Das langgestreckte, etwa vierzig Meter lange Bauwerk aus Brettern, Schilf und Mörtel stand hinter der sogenannten Puppallee an der Stelle, an der sich heute das Johann Wolfgang von Goethe Denkmal befindet. Das bescheidene Aussehen des Holzgebäudes wird durch einen erhaltenen Stich aus der Zeit verdeutlicht. Eine einfache Hütte, bekannt als Tempel der Musen oder auch Komödienhaus (Comoedi Haus) bot den Theaterensembles bis 1787 eine Bühne, bis sie während einer Aufführung wegen Fäulnis einstürzte. Heute weckt die siebzigjährige Geschichte der armseligen Hütte Bewunderung dafür, dass der Theatergeist auch unter solch dürftigen Bedingungen so lange zum Publikum sprechen konnte. Das Comoedi Haus bot den regionalen Theaterensembles eine Bühne und schuf gleichzeitig über viele Jahre eine Kulisse für die Sommersaison der italienischen Opernhäuser. Der berühmteste europäische Kurort war schon damals eine sehr kulturelle Stadt.

BECHER THEATER

Der Einsturz der Theaterhütte war ein trauriger Punkt hinter der bemerkenswerten Theateretappe der Heilquellenstadt. Er leitete jedoch gleichzeitig die Entstehung einer prunkvolleren Theaterszene ein. Dies ermöglichte der berühmte Arzt David Becher, der ein äußerst kultivierter Mann war. Das neue Theatergebäude wurde in Nová Louka gebaut. Becher trug persönlich mit einem zinslosen Darlehen an die Stadt zum Baubeginn bei. Der finanzielle Betrag für das Becher-Theater wurde auch aus dem Verkaufserlös von Thermalsalz geschöpft. Das würdige Theater der Musen wurde 1788 mit der Aufführung der Oper Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart feierlich eröffnet. Dieselbe Oper hatte kurz zuvor in Wien und bald darauf in Prag Ovationen erhalten. Das neue zweistöckige Theater bot Platz für 543 Zuschauer. Die Inneneinrichtung war einfach, aber geschmackvoll. Das Becher-Theater diente seinem Zweck fast hundert Jahre. Aufgrund des schlechten technischen Zustandes und des Kapazitätsbedarfs wurde es 1884 abgerissen. Dies erlebte Becher nicht mehr.

STADTTHEATER AUS DEM ATELIER FELLNER UND HELMER

Im selben Jahr wurde an gleicher Stelle mit dem Bau des heutigen Theatergebäudes aus der Werkstatt der Wiener Architekten Fellner und Helmer begonnen. Zwei Jahre später wurde das Theater feierlich eröffnet, und dies wieder mit Figaros Hochzeit. Das Theater wurde aufgrund des Alters des Gebäudes mehrfach umgebaut. Der umfangreichste Umbau fand zwischen 1994 – 1999 statt. Es wurde wieder mit Mozarts Figaros Hochzeit in Aufführung des Opernensembles des Nationaltheaters in Prag wiedereröffnet. Das Gebäude fesselt mit seinem imposanten Aussehen, womit das Theater zu den schönsten architektonischen Bauten des historischen Stadtteiles zählt. Bewunderer des prachtvollen Werkes, das seine Schöpfer in neobarocke Gewänder kleideten, staunen besonders, wenn sie seine Innenräume sehen. Die reich gegliederte Architektur, die skulpturalen und vor allem die malerischen Dekorationen gehören zu den Schmuckstücken der Kurstadt. Die Innenausstattung beeindruckt mit fein geformten und vergoldeten Stuckarbeiten, zahlreichen Skulpturen und Gemälden in dekorativen Kartuschen. Die architektonische Gestaltung, einschließlich die künstlerische Darstellung der Innenräume und der Fassade übernahmen renommierte Wiener Künstler, wodurch ein einheitlicher Stil erreicht wurde. Die skulpturale und malerische Darstellung der Innenräume korrespondiert somit perfekt mit der architektonischen Darstellung des Gebäudes und verleiht ihm höchste Eleganz. Der wertvollste Teil der Dekoration des kunstvoll verzierten Theaterpalastes ist der bemalte Vorhang, der von drei renommierten Wiener Malermeistern geschaffen wurde, den Brüdern Gustav und Ernst Klimt und Franz Matsch. Der gemalte Vorhang, der zu den schönsten in Europa zählt, stellt eine komplexe Allegorie dar, die die Feier der poetischen Kunst zum Ausdruck bringt. Man kann auch Rokoko-Ornamente in der Bemalung des wunderschönen Vorhangs mit einer Makart-Figurenkomposition erkennen. Autor der skulpturalen Dekoration, die besonders im Foyer des Gebäudes beeindruckend ist, ist der Wiener Bildhauer Theodor Freidl. Seine Autorenhandschrift tragen auch die Skulpturengruppe der Musen an der Fassade des Gebäudes sowie die antiken Greifen, die Wächter des Eingangs. Der Kronleuchter und alle anderen Lampen, einschließlich der schönen Rokoko-Lampen am Treppengang, wurden von den Architekten Fellner und Helmer selbst entworfen. Das Gebäude, dessen Schöpfer auf das Erbe barocker und Rokoko-Formen zurückgriffen, liegt direkt im Zentrum des Kurortes, in der Nähe der Quelle selbst. Das Theater mit einer Kapazität von 700 Plätzen verfügt über eine hervorragende Akustik, die es Gastensembles ermöglicht, auch Opernaufführungen zu zeigen. Ganz im Geiste des Zeittrends im Stil des Historismus gelang es dem Autoren- und Realisationsteam, eine Demonstration der Pseudo-Rokoko-Architektur zu präsentieren und die Atmosphäre von Prag und Wien gewaltfrei nach Karlsbad zu übertragen. Das Karlsbader Stadttheater ist somit zusammen mit dem nahegelegenen Grandhotel Pupp und dem Kaiserbad im gleichen Stil errichtet, dessen poetische Sprache Noblesse und Eleganz ist.

TALLOVÁ, Lýdie, CARLSBAD REPORT, Nr. 7/2013, s. ?